Phoenix Topliner 8900 im Test Andreas Becker
Phoenix Topliner 8900 im Test
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Phoenix Topliner 8900 (2022) im Test

Phoenix Topliner 8900 im Test Mobiles Luxusappartement

Der 8900 BM-MB basiert auf dem neuen MAN TGL und hat optional alle Assistenzsysteme des Basisfahrzeugs an Bord. Aber die noch wichtigere Frage: Wie wohnt man im mobilen Luxusappartement?

BesitzerInnen des alten 3er Führerscheins sind fein raus. Sie können das Cockpit des 2,45 Meter breiten Topliners mit knapp 7,5 Tonnen Maximalgewicht – nach den TopXlinern die zweitgrößte Baureihe von Phoenix – erklimmen und einfach losfahren.

Doch halt: Wenn man noch nie mit so einem Koloss unterwegs war, schadet eine kurze Einführung nicht. Zum Beispiel um den Automatik-Wählhebel zu finden. Der sitzt nämlich dort, wo bei vielen Pkw der Scheibenwischerhebel ist, und die Fahrstufen D, N und R werden durch das Drehen des vorderen Hebelteils angewählt. Läuft der mächtige 4,6-Liter-Vierzylinder an, kann man sich im Testmobil auf Gas und Bremse konzentrieren, da ein automatisiertes Sechsgang-Getriebe die Schaltarbeit übernimmt – Kopfnicken der Insassen inklusive. Zumindest in der Eingewöhnungsphase. Und dieser bedarf es auch, denn während man gemütlich in den luftgefederten Sitzen vor sich hin schaukelt, stellt man erstaunt fest, wie schmal doch deutsche Landstraßen sein können. Kommt ein Lkw entgegen, hofft der Neuling jedes Mal, dass die Spiegel dranbleiben, und ruft sich den Preis des Liners in Erinnerung.

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Dank mehrerer Außenspiegel behält man am Steuer die gesamte Straßenlage im Überblick.

Apropos Spiegel: Sechs Stück versorgen den Fahrer mit Infos über Hindernisse vor und neben dem Mobil. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist die Sitzposition vor der Vorderachse, was die ersten Kurvenfahrten etwas unrund macht. Hat man sich schließlich gemerkt, wann man in welchen der Spiegel schaut, und mehrfach bewiesen, dass die Straße tatsächlich breit genug für Mobil und Gegenverkehr ist, kommt dann doch Spaß auf. Der Spaß an der hohen Sitzposition, der guten Sicht, den bequemen Sitzen und der Lkw-Akustik, die sich mit kernigem Dieselknurren bemerkbar macht – nicht laut, aber vorhanden.

Neues Möbeldesign

Auf dem Stellplatz genügt ein Knopfdruck und die optionalen Hubstützen nivellieren das Dickschiff in gut einer Minute automatisch. Dreht man die Fahrerhaussitze, offenbart sich der Blick ins helle Luxusappartement im neuen Möbeldesign "Tiberino-Nuss" samt cremefarben bezogener Polster an der Sitzgruppe. Hier finden sechs Personen einen bequemen Platz am 80 mal 80 Zentimer großen Tisch, der von jedem gut zu erreichen ist. Eine Tischerweiterung gibt es allerdings nicht.

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Im Anschluss folgt die Küche, die kaum Wünsche offen lässt. Auf fast 1,6 Meter Länge gibt es hier viel Arbeitsfläche und Stauraum in Hülle und Fülle. Ein Hybridkocher mit zwei Gas- und einer Elektrokochstelle ist optional für 1.100 Euro in die Mineralgranit-Arbeitsplatte eingelassen. Das Spülbecken ist groß, und im Unterschrank darunter ist ein Mülleimer praktisch platziert. Gegenüber befindet sich ein 195-Liter-Kompressorkühlschrank mit einem 44 Liter fassenden Gefrierfach, der für zwei bis vier Personen mehr als genug Stauraum bereithält.

Im Kleiderschrank links daneben entdeckt man eine Phoenix-Spezialität – sorgfältig und übersichtlich installierte Bordtechnik. Die Rückwand des Schranks ist mit einer Plexiglastür versehen, hinter der die Elektrikzentrale gut beschriftet mit akkurat verlegten Kabeln zu finden ist. Von hier aus werden die zehn 230-Volt- und acht USB-Anschlüsse, die sich im Fahrzeug verteilen, gespeist. Sicherungen sind leicht zu erreichen und zu ersetzen. Die vorbildliche Verarbeitung der Technikkomponenten findet man auch bei der Wasser- und Heizungsanlage.

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Die Ablassventile für die Wassertanks sind solide.

Über zwei Außenklappen kommt man direkt an die Hähne für das Ablassen von Frisch-, Grau- und Schwarzwasser, ebenso wie an die Alde-Warmwasserheizung, die im Testmobil mit zwei getrennten Heizkreisläufen arbeitet. Leitungen und Schläuche verlaufen auch hier akkurat im 38,5 cm hohen Doppelboden.

Beeindruckendes Bad

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Das Bad ist ein Highlight, denn es kann in Größe und Ausstattung mit so mancher Stadtwohnung mithalten. Dusche mit Echtglastüren, Keramik-Festtanktoilette und ein Handtuchheizkörper befinden sich rechts, gegenüber ein großer Mineralgranit-Waschtisch und ein weiterer großer Kleiderschrank. Die Wasservorräte sind üppig dimensioniert. 460 Liter Frischwasser (Serie 230 Liter) und jeweils 230 Liter Ab- und Schwarzwasser lassen längeres Autarkstehen zu. Für die Privatsphäre wird der Sanitärbereich mittels zweier Türen vom Wohn- und Schlafraum abgetrennt. Zwei fast raumhohe Spiegel auf der Innenseite der zweiteiligen Schiebetür zum Schlafzimmer lassen das Bad optisch noch größer erscheinen.

Das Queensbett im Heck ist mit einer Matratzengröße von 200 mal 152 Zentimetern zwar groß, aber in Anbetracht der Fahrzeuggröße auch nicht riesig. Phoenix hat jedoch die Ablagen links und rechts vor den Kleiderschränken ebenfalls mit Matratzen bestückt, sodass hier eine fahrzeugbreite Liegefläche entsteht. Die Matratze liegt auf Lattenrosten, der Bettkasten ist mit dämmendem Filz ausgelegt. Für gute Unterlüftung sorgen sechs Lüftungsöffnungen an der Bettkastenfront.

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Nach rechts und links lässt sich die Liegefläche im Queensbett mit Polstern erweitern.

Das optionale Hubbett (2.440 Euro) fällt dagegen mit 1,93 mal 1,17 Meter klein aus. Gegen einen weiteren Aufpreis von 420 Euro kann es auf immerhin 1,39 m Breite erweitert werden. Man sieht also, dass man selbst in dieser Fahrzeugklasse noch fleißig Optionenkreuzchen für Komfort und Luxus machen kann. Die Sonderausstattung summiert sich auf satte 104.000 Euro. Testwagenpreis: 416.658 Euro.Daten und Preise

Phoenix Topliner 8900 im Test
Redaktion
Innenansicht des Phoenix Topliner 8900.

Aufbau: Sandwich-Bauweise, außen und innen Alu, Boden GfK, Isoliermaterial PU-Schaum, Wandstärken 45 mm rundum, Doppelboden, Höhe 385mm, 6 Isolierglasfenster mit Alurahmen, 1 Panorama-Dachfenster, 3 Dachhauben.
Ausbau: Möbel aus Sperrholz, Sitzbank mit 2 Dreipunktgurten, Hubbett 1,93 x 1,17–1,39 m, Heckbett 2,00 x 1,52 m, Sanitärraum mit Festtanktoilette (1.235–1.385 x 1.992 x 979 –2.063 mm) und separater Dusche (780 x 1.952 x 780 mm), Küche mit Zweiflamm-Gaskocher plus Elektrokochfeld, Kompressorkühlschrank 195 L (44 L Gefrierfach).
Bordtechnik: Warmwasserheizung/Boiler Alde Compact 3020 SP mit zwei Heizkreisläufen, Frisch-/Abwasser-/Fäkaltanks 460/230/ 230 L, Bordbatterien 2 x 210 Ah, Gasflaschen 2 x 11 kg.
Basisfahrzeug: MAN TGL 8.220, Hinterradantrieb, Vierzylinder-Bi-Turbodiesel, Hubraum 4.600 cm3, Leistung 162 kW/220 PS, automatisiertes Sechsgang-Getriebe, Kraftstofftank 180 L.
Gurte/Schlafplätze: 4/2–5
Maße und Gewichte: Länge x Breite x Höhe 9.050 x 2.450 x 3.480 mm, Radstand 4.500 mm, zulässiges Gesamtgewicht 7.490 kg.
Preise: Grundpreis 312.300 Euro, Testwagenpreis 416.658 Euro Luxus-Paket (u.a. Alufelgen, Lederpolster, Lackierung in Silber) 16.170 Euro, Fahrsicherheits- und -komfort-Paket (u.a. Abstandstempomat,Spurverlassenswarner, Regen- und Lichtsensor, Notbremsassistent) 9.990 Euro, Hubstützenanlage 9.480 Euro, Hubbett elektrisch 2.440 Euro, Solaranlage 2 x 165 W 3.080 Euro, Twin Sat/TV u.a. mit 24-Zoll-Wohnraum-TV 6.360 Euro, Hybridkocher 1.100 Euro, Keramiktoilette mit Festtank 2.280 Euro.

Wertung

  • Betten: 4 von 5 Punkten
  • Sitzgruppe: 4,5 von 5 Punkten
  • Küche: 4,5 von 5 Punkten
  • Sanitärraum: 5 von 5 Punkten
  • Möbelbau: 4 von 5 Punkten

Fazit

Der Grundpreis ab 313.000 Euro ist stattlich. Der Testwagen mit allem Drum und Dran ist nochmal knapp 100.000 Euro teurer. Ganz ohne Aufpreis gibt es dazu die Faszination Liner: Wohn- und Stauraum – bis hin zur riesigen Garage – im Überfluss und ein erhabenes Fahrgefühl mit dem Lkw-Fahrgestell. Auch optisch macht der Topliner mit der schicken silbernen, durchdesignten Außenhaut eine gute Figur.

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